Nachlese 2. Waldbreitbacher Wirtschaftsgespräch

Das Thema Ausbildung stand im Mittelpunkt der 2. Waldbreitbacher Wirtschaftsgespräche - heimische Region bietet attraktive berufliche Perspektiven

Waldbreitbach. Ein positives Fazit über die 2. Waldbreitbacher Wirtschaftsgespräche, die im Hotel zur Post in Waldbreitbach stattfanden, zogen jetzt Bürgermeister Werner Grüber und die Organisatoren. Der Abend stand unter der Überschrift: „Was erwartet die Wirtschaft von Schulabgängern und Informationen über die Situation auf dem regionalen Ausbildungsmarkt“. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter viele Schüler der heimischen Realschule plus, waren der Einladung zu den 2. Waldbreitbacher Wirtschaftsgesprächen gefolgt.

Hilfestellung bei der beruflichen Orientierung gebenReferenten des 2. Waldbreitbacher Wirtschaftsgespräches

„Wir wollen unseren Schülerinnen und Schülern bei der beruflichen Orientierung Hilfestellung geben“, so der Bürgermeister in seiner Eröffnungsansprache. Weiter sagte er: „Was kommt nach dem Schulabschluss? In der Region bleiben oder in den Ballungsgebieten eine berufliche Zukunft suchen? Das sind grundlegende Fragen, die sich junge Menschen stellen und gleichzeitig für den Wirtschaftsraum nördliches Rheinland-Pfalz von existenzieller Bedeutung sind. Unsere heutige Veranstaltung soll dazu beitragen den Schülern und Auszubildenden die beruflichen Möglichkeiten in unserer Region transparent zu machen. Wir wollen gemeinsam mit unseren Betrieben, dem Nachwuchs Berufs- und Karrierechancen in innovativen Betrieben aufzeigen sowie Unterstützung bei der beruflichen Orientierung bieten. Dazu gehört auch das betriebliche Abläufe praxisnah erlebt werden können.“ Schließlich machte der Bürgermeister als klare Erkenntnis deutlich: „“Die heimische Region bietet attraktive berufliche Perspektiven. Wir müssen diese Erkenntnis jedoch ‚unter die Leute bringen’ bekannt machen und publizieren. Dazu soll das heutige Waldbreitbacher Wirtschaftsgespräch einen wesentlichen Beitrag leisten.“

Auch Hauptschüler haben gute Chancen

Unter der Moderation von Ralf Grün von der Rhein-Zeitung standen als Referenten zur Verfügung: Fabian Göttlich, Geschäftsführer der IHK Regionalgeschäftsstelle Neuwied, Kurt Krautscheid, Kreishandwerksmeister, Ulrich Debus, Bundesagentur für Arbeit Neuwied (Arbeitgeberservice), Thomas Heucher, Verwaltungsleiter St. Josefshaus, Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz (Hausen/Wied), Peter Schneider, Schulleiter Deutscherrenschule Waldbreitbach, Realschule plus, und Jürgen Grünwald, Geschäftsführer Hotel zur Post Waldbreitbach.

Nach den Statements der Referenten erfolgte ein zwangloser und intensiver Meinungs- und Informationsaustausch mit den vorwiegend anwesenden Schülerinnen und Schülern der Deutschherrenschule Waldbreitbach. Dabei waren sich Referenten und Teilnehmer einig, dass Hauptschüler  keinesfalls chancenlos sind. Sie sollen mit breiter Brust ihrer beruflichen Zukunft entgegengehen. Das ist eine der positiven Botschaften des zweiten Waldbreitbacher Wirtschaftsgesprächs.

Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe

Zu Beginn der Vortragsrunde stand ein Plädoyer für das Hotel- und Gaststättengewerbe. Jürgen Grünwald, Geschäftsführer des Hotels zur Post, informierte über Vor- und Nachteile einer Ausbildung in der Hotel- und Gaststättenbranche. „Es sind tolle Berufe, aber es ist nicht unbedingt ein Zuckerschlecken“, sagte Grünwald. Immer wieder mache er bei Bewerbungsgesprächen die Erfahrung, dass junge Bewerber keine genaue Vorstellung vom Berufsbild haben. „Nur acht Stunden arbeiten“, so Grünwald, „das gibt es nicht in der Gastronomie.“ Auszubildende müssen auch an Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern arbeiten. „Bei uns kommt dienen vor Verdienen“, sagte er und verwies auf den Ruf als Dienstleister. Allerdings machte er den jungen Gästen auch Mut: „Ihnen steht in diesem Berufszweig die Welt offen.“

Handwerk hat noch immer goldenen Boden

Kurt Krautscheid, Kreishandwerksmeister Rhein-Westerwald, räumte indes mit so manchem gängigen Vorurteil auf. Die Vorstellung der Politik, dass bald 80 Prozent der Schulgänger das Abitur ablegen sollen, ist für ihn nicht nachvollziehbar. „Das Handwerk hat noch immer goldenen Boden.“ Er appellierte an die Real- und Hauptschüler, mit „breiter Brust nach vorn zu gehen“. Dass das Abitur nicht zwingend Voraussetzung für eine Ausbildungsstelle ist, belegte Fabian Göttlich, Geschäftsführer der IHK Neuwied, mit Zahlen. „Nur 30 Prozent der Auszubildenden haben Abitur.“ Alle anderen Jugendlichen können einen Real- oder Hauptschulabschluss vorweisen. „Die Behauptung, ohne Abitur läuft nichts, ist schlichtweg falsch.“ In diesem Zusammenhang machte Peter Schneider, Schulleiter der Realschule plus, darauf aufmerksam, dass inzwischen bei vielen Hauptschülern das Selbstwertgefühl gelitten habe. „In der Öffentlichkeit wird gesagt, mit einem solchen Abschluss hast du keine Chance auf dem Arbeitsmarkt.“

Soziale Kompetenz ist wichtig

Hierzu unterstrich Ulrich Debus von der Agentur für Arbeit Neuwied, dass Arbeitgeber nicht unbedingt auf die Schulnoten achten. Fabian Göttlich pflichtete ihm bei. „Die soziale Kompetenz gibt mitunter eher den Ausschlag.“ Zudem betonte Kurt Krautscheid, dass das Handwerk „sehr durchlässig nach oben“ ist. Folglich kann sich ein Facharbeiter auch zu einem späteren Zeitpunkt weiterbilden. „Erst eine Anstellung im Betrieb, damit man Praxis erhält, und dann eventuell eine Meisterausbildung oder sich selbstständig machen.“ So beantwortete Krautscheid die konkrete Nachfrage eines Schülers.

Praktika ein erster bedeutsamer Schritt

Einig waren sich die Referenten auch, dass in Praktika gesammelte Erfahrungen eine unglaubliche Bedeutung für den späteren Berufsverlauf haben. Gerade im Sozial- und Gesundheitswesen gibt es zurzeit eine breite Palette an Ausbildungsberufen, um das Berufsfeld besser kennen zu lernen. „Wir haben um die 40 jungen Leute bei uns im Haus“, sagte Thomas Heucher, Verwaltungsleiter des St.-Josef-Hauses in Hausen/Wied. Nur wann wäre der beste Zeitpunkt für eine erfolgreiche Bewerbung, wollte eine Schülerin von den Referenten wissen. Göttlich empfahl, sich frühzeitig um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Aber auch bei Absagen nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen. „Es ist sicherlich von Vorteil, wenn ihr bei der Firma schon vor der Bewerbung euer Interesse an einer Ausbildung zeigt.“

Stärkung des Wirtschaftsstandortes

Am Ende des informativen Abends dankte Bürgermeister Grüber den Referenten und den Besuchern. Dabei sagte er: „Der Schlüssel für eine wirkungsvolle Arbeit im Sinne einer Stärkung des Wirtschaftsstandortes unserer Verbandsgemeinde liegt in einem intensiven und breiten Informationsfluss. Blick in die ZuschauerreihenNur ein intensiver Informationsaustausch zwischen den Unternehmerinnen und Unternehmern, den Kammern, der Verwaltung, den Schulen und der Politik gewährleistet eine gemeinsame und zielgerichtete Weiterentwicklung unserer Wirtschaftsregion. Die Verwaltung will mit den Waldbreitbacher Wirtschaftsgesprächen einen weiteren Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes leisten.“ Auch im kommenden Jahr wird es wieder ein Waldbreitbacher Wirtschaftsgespräch geben.