VG weist keine Windkraftareale aus

Verbandsgemeinde Waldbreitbach weist keine Flächen für Windkraftanlagen aus

Aus der öffentlichen Sitzung des Verbandsgemeinderates am 3. Juli 2013 

 

TOP 2 Standorteignungskonzeption für Windkraftanlagen im Bereich der
VG Waldbreitbach

 

Sachverhalt:

Im ersten Arbeitsschritt haben die Karst-Ingenieure unter Ausschluss von Biotopen nach § 30 B NatschG und bestimmter Abstandsflächen aufgrund fachlicher Anforderungen nach dem Vorsorgeprinzip, unter anderem: 

a)      Siedlungsabstand 500 m (Alternative 1)

                    und

b)      Siedlungsabstand 725 m (Alternative 2) 

zwei Alternativen erarbeitet.

Die Windhöffigkeit blieb dabei unberücksichtigt.

 

In der Summe konnten nach dieser ersten Planung mit 500 m Siedlungsabstand rund 258 ha Angebotsfläche für Windenergieanlagen geschaffen werden, in der Alternative mit 725 m Siedlungsabstand noch rund 125 ha. Diese verteilen sich wie folgt: 

 

Erster Schritt:                                                                                                (Januar 2012)

Gemarkung

Bezeichnung

Größe

Windhöffigkeit

Datzeroth

 

(Richtung Märkerwald)

 

P1

 

entfallen, wegen Schwarzstorch-

vorkommen

ca.     7,7 ha

5,4 - unter 5,7

Datzeroth

 

(Richtung Rockenfeld)

 

P2

 

reduziert, wegen Schwarzstorchvorkommen

ca.   13,0 ha

4,8 - unter 5,4

Datzeroth

 

(Wald, Gemeinde/Fürst)

 

P3

 

reduziert, wegen Schwarzstorch-vorkommen

ca.   80,8 ha

5,1 - unter 6,0

Niederbreitbach

 

(angrenzend Hausen)

 

P4

 

 

 

ca.     5,6 ha

4,8 - unter 5,4

Niederbreitbach

 

(oberhalb Hegerhof)

 

P5

 

 

 

ca.     7,4 ha

     5,7 - unter 6,0

Roßbach/Breitscheid

 

(Roßbacher Häubchen)

 

P6

 

 

 

ca.   10,9 ha

4,8 - unter 5,4

 

insgesamt

ca. 125,4 ha

 

 

Ergebnis des ersten Schrittes:

Die Alternative 1 mit einem Siedlungsabstand von 500 m soll nicht zum Tragen kommen, weil die Beeinträchtigung des Wohnumfeldes und des eigentlichen Wohngebietes zu groß wären (Schutzgut Mensch). Die weiteren Schritte sollen auf der Grundlage der Alternative 2 (Siedlungsabstand 725 m) erfolgen.

 

Zweiter Schritt: 

Im zweiten Arbeitsschritt wurden diese Potentialflächen näher beleuchtet und zwar unter anderem hinsichtlich der Windhöffigkeit, der Größen und des Schwarzstorchvorkommens. Dabei wurden folgende Kriterien angewendet:

a)      Ausschluss der Flächen, mit einer Windhöffigkeit unter 5,4 m/s in 100 Meter Höhe im Jahresmittel (Quelle: Deutscher Wetterdienst), aus Gründen der Wirtschaftlichkeit

b)      Ausschlusses von Flächen kleiner als 3 Hektar (wegen fehlender Konzentrationswirkung) 

c)      Ausschluss der Flächen, die das Schwarzstorchvorkommen tangieren.

Die Potentialfläche P 1 mit 7,7 ha entfällt wegen der Lage im Schutzabstand „Schwarzstorch“ (3 Kilometer).

Die Potentialfläche P3, Gemarkung Datzeroth (Wald, Gemeinde/Fürst), reduziert sich dadurch von 80,8 ha auf 60,1 ha (wegen Schwarzstorch) und wird umbenannt von P3 in P2.

Die Potentialfläche P2, Datzeroth (Richtung Rockenfeld) reduziert sich von 13 ha auf 5,9 ha (wegen Schwarzstorch) und wird von P2 in P1 umbenannt.

Die Potentialfläche P4, Niederbreitbach (angrenzend Hausen), wird umbenannt in P 3. Davon entfallen 4,4 ha, weil in diesem Bereich die Windhöffigkeit weniger als 5,4 m/s beträgt. Der dann noch verbleibende eine Hektar entfällt ebenfalls, weil die Fläche kleiner als 3 ha ist.

Die Potentialfläche P5, Niederbreitbach (oberhalb Hegerhof) wird umbenannt
in P 4. 

Die Potentialfläche P6, Roßbach/Breitscheid wird in P5 umbenannt. Sie entfällt wegen mangelnder Windhöffigkeit (unter 5,4 m/s).

 

Zusammenstellung:

Untersuchungsfläche

 

Bezeichnung

 

Gesamtflächen

Gesamtfläche nach Auswertung der Windhöffigkeit (Ausschluss Windstärke unter 5,4 m/s)

 

Datzeroth

 

(Richtung Rockenfeld)

 

P1

 

(früher P2)

 

5,9 ha

 

0,0 ha

 

Datzeroth

 

(Wald Gemeinde/Fürst)

 

P2

 

(früher P3)

 

60,1 ha

 

38,4 ha

 

Niederbreitbach

 

(angrenzend Hausen)

 

P3

 

(früher P4)

 

5,6 ha

 

0,0 ha

 

Niederbreitbach

 

(oberhalb Hegerhof)

 

P4

 

(früher P5)

 

7,4 ha

 

7,4 ha

 

Roßbach/Breitscheid

 

(Roßbacher Häubchen)

 

P5

 

(früher P6)

 

10,9 ha

 

0,0 ha

 

Gesamt

 

 

 

89,9 ha

 

 

45,8 ha

 

Gesamtgröße VG (4.929 ha)

 

 

 

1,8 %

 

0.9 %

 

Ergebnis des zweiten Schrittes:

Es verbleiben noch insgesamt für den Bereich der Verbandsgemeinde Waldbreitbach 45,8 ha an Potentialflächen für Windenergieanlagen. Die noch verbleibenden Potentialflächen P2, Bereich Gemarkung Datzeroth, und P4, Bereich Gemarkung Niederbreitbach werden in einem dritten Schritt im Hinblick auf Aussagen des nunmehr vorliegenden Landesentwicklungsprogramms IV (LEP IV) und des Winderlasses geprüft.                                                                                           

Die Teilfortschreibung des LEP IV setzt die Rahmenbedingungen für die Windenergienutzung in Rheinland-Pfalz fest und ist damit für die Regional- und Bauleitplanung verbindlich.

 

Dritter Schritt: 

Potentialfläche P2, Gemarkung Datzeroth, Wald, Gemeinde/Fürst:

In der Fortschreibung des LEP IV ist zu G 163c ausgeführt, dass bei der Auswahl der für die Windenergienutzung vorgesehenen Waldgebiete Bereiche mit größerem, zusammenhängendem Laubwaldbestand (ab 120 Jahre) ausgenommen werden sollen. Abgegrenzt werden diese geschützten Bereiche auf der Basis der Forsteinrichtungswerke. Kleinere Waldlichtungen und ökologisch geringwertige Waldbestände bis zu einer Größe von einem Hektar, die inselartige in diese komplexe mit dem alten zusammenhängenden Laubwaldbestand eingelagert sind, heben den Ausschluss nicht auf.

 

Die potentielle Standortfläche in der Gemarkung Datzeroth (Eigentümer: Ortsgemeinde und Fürst zu Wied) befindet sich in einem solchen Waldbereich. Nach dem Forsteinrichtungswerk für die Gemeinde Datzeroth gibt es dort insgesamt ca. 12 ha Buchenbestände, die über 120 Jahre alt sind.

Die dann noch verbleibende Fläche ist zum großen Teil von der Topographie her als Standort für Windkraftanlagen nicht geeignet und weist auch eine Windhöffigkeit von unter 5,8 m/s auf. Außerdem handelt es sich um ein Vorrangebiet für Arten- und Biotopschutz gemäß dem Regionalen Raumordnungsplan (RROP).

Durch den Ausschluss dieses wertvollen Laubwaldbestandes Kraft LEP IV (Fortschreibung) und unter Berücksichtigung von Topographie und Windhöffigkeit sowie des Vorranggebietes für Arten- und Biotopschutz scheidet auch die Fläche P 2 als Standort für Windkraftanlagen aus.

 

Potentialfläche P4, Niederbreitbach, oberhalb Hegerhof: 

Nach Ziel 163 b des Landesentwicklungsprogramms sollen nur Planungsräume mit einer hohen Windhöffigkeit ausgewiesen werden. Aus Erläuterungen hierzu ergibt sich, dass es sich in der Regel um Standorte mit einer Mindestwindhöffigkeit von 5,8 m/s bis 6,0 m/s handelt. Teilbereiche der Fläche P 4 weisen Windhöffigkeitswerte von unter 5,8 m/s auf, was zu einer Flächenreduzierung führen würde.

Weiter ist unter den Grundsätzen G 163 f festgehalten, dass Vorranggebiete entsprechend groß sein müssen, um eine Bündelung zu erreichen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Landschaft nicht durch eine Vielzahl von Einzelanlagen beeinträchtigt und die geforderte Bündelungswirkung unterlaufen wird. Die Potentialfläche P4 befindet sich in einem bewegten Gebiet, teilweise bis in das Fockenbachtal hinein. Die noch verbleibende von der Topographie her geeignete Fläche dürfte lediglich für eine, maximal für zwei Windkraftanlagen ausreichend sein.

 

Ergebnis des dritten Schrittes:

Letztlich werden alle Potentialflächen aus den genannten Gründen ausgeschlossen, mit der Folge, dass nach der jetzigen Sach- und Rechtslage im Bereich der Verbandsgemeinde Waldbreitbach keine geeigneten Flächen für Windkraftanlagen zur Verfügung stehen.

 

Beschluss:

Der Verbandsgemeinderat stimmt den vorgestellten Planungsschritten und den genannten Kriterien zur Ermittlung geeigneter Potentialflächen für Windkraftanlagen im Bereich der Verbandsgemeinde Waldbreitbach zu. Aus der Plankonzeption ergibt sich, dass keine geeigneten Flächen für Windenergieanlagen im Bereich der Verbandsgemeinde Waldbreitbach nach der derzeitigen Sach- und Rechtslage zur Verfügung stehen.

Somit entfällt auch die entsprechende Fortschreibung des Flächennutzungsplanes. 

Diese Plankonzeption der Verbandsgemeinde Waldbreitbach ist bei der Beurteilung eventueller Anträge auf Genehmigung von Windkraftanlagen im Rahmen der Privilegierung zu berücksichtigen.

Das Ergebnis des Plankonzeptes ist bei einer Fortschreibung des Flächennutzungsplanes in die Begründung aufzunehmen.

 

Die Beschlussfassung erfolgt einstimmig.

Hinweis: Die als Anlage beigefügte Planskizze ist Bestandteil des Protokolls.