Die Verbandsgemeinde einst und heute

Die Verbandsgemeinde Waldbreitbach einst und heute

Die Vor- und Frühgeschichte des Siedlungsraums im Wiedtal und der umgebenden Höhen liegt weitgehend im Dunkeln, obwohl einige Funde auf erste Anfänge einer Besiedlung vor fast 3000 Jahren schließen lassen. In den 30er Jahren in Niederbreitbach aufgedeckte Gräber werden auf die Frankenzeit datiert. Urkundliche Erwähnungen, besonders im Zusammenhang mit der Niederlassung des Deutschherrenordens in der Waldbreitbacher Commende, verdichten sich im 12. und 13. Jahrhundert.

 

Die Neuerburg


Die Entstehung der Neuerburg, auf einem Felsen über dem Fockenbachtal bei Niederbreitbach gelegen, fällt etwa in das 12. Jahrhundert. Um 1250 ist sie im Besitz der Gräfin Mechthildis von Sayn. In dieser Zeit ist beurkundet, dass das Neuerburger Land an das Erzstift zu Köln abgetreten und als Lehen anerkannt wurde.

Die Deutschherren von Waldbreitbach

Etwa in der gleichen Zeit gründete der Deutschritterorden in Waldbreitbach eine Niederlassung. Unter der weltlichen Hoheit von Kurköln übernahmen die Deutschherren  von Waldbreitbach im Jahr 1260 das Patronat über die Pfarrei. Jahrhunderte lang residierten die Deutschherren in der Comturei Waldbreitbach; sie waren der späteren Ballei in Koblenz unterstellt.

„Im Lande der Neuerburg an der Wied“

Bedeutung für die Besiedlung des Wiedtales hat auch die Anlegung eines Hofes auf wiedischem Gebiet in Niederbreitbach durch die Abtei Schwarz-Rheindorf. Dr. Albert Hardt berichtet in seinem 1987 von der Verbandsgemeinde Waldbreitbach herausgegebenen Buch „Im Lande der Neuerburg an der Wied“ (S.68*)): „Für das Amt Neuerburg lässt sich zusammenfassend sagen: Es wird schon 1290 als Amt ausgewiesen; die kurkölnische Verwaltung betrachtet Neuerburg mit Altenwied, später auch mit Linz, als eine Verwaltungseinheit.“ Weiter schreibt Hardt: „Das Amt Neuerburg wird nicht plötzlich geschaffen durch einen nachweisbaren Verwaltungsakt, sondern es wächst aus rechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Besonderheiten heraus. Bei diesen Anfängen treffen zusammen: Abtei Schwarz-Rheindorf, Burg Neuerburg, Pfarrei Breitscheid (1250). Diese Entwicklung ist im ausgehenden 13. Jahrhundert abgeschlossen.“ Die weitere Geschichte des Amtes Neuerburg ist, wie Hardt berichtet, eine Geschichte der Pfandschaften, als Folge der offenbar chronischen kurkölnischen Geldnot. Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fällt das kurkölnische Amt Neuerburg an den Fürsten zu Wied-Runkel. Mit der Rheinbundakte kommen die wiedischen Fürstentümer und damit auch das Amt Neuerburg im Jahr 1806 zum Herzogtum Nassau, bei dem es bis 1815 verbleibt.

Das Amt Neuerburg

Durch die Wiener Bundesakte wird das Neuerburger Gebiet unter königlich-preußische Hoheit gestellt; es gehört fortan zur preußischen Rheinprovinz. Das Amt Neuerburg ist seither eine Preußische Bürgermeisterei. In den ehemals preußischen Landesteilen von Rheinland-Pfalz bestehen die Ämter auch nach dem 2. Weltkrieg weiter. Als Folge der funktionalen Verwaltungsreform wurden seit 1968 in ganz Rheinland-Pfalz Verbandsgemeinden geschaffen; die bestehenden Ämter wurden in diesen neuen Gebietskörperschaftstyp überführt. In ihren heutigen Grenzen besteht die Verbandsgemeinde Waldbreitbach mit den Ortsgemeinden Breitscheid, Datzeroth, Hausen (Wied), Niederbreitbach, Roßbach und Waldbreitbach, in denen insgesamt ca. 9.500 Einwohner leben, seit dem Jahr 1973. Aus dem ehemaligen Amt Neuerburg zu Waldbreitbach wurde damals im Zuge der territorialen Verwaltungsreform die Gemeinde Kurtscheid abgetrennt und der Verbandsgemeinde Rengsdorf zugeordnet. Gleichzeitig wurde aus dem aufgelösten Amt Heddesdorf die Gemeinde Datzeroth in die Verbandsgemeinde Waldbreitbach eingegliedert.

Historische Kapellen

Zeugen der religiösen und kirchlichen Entwicklung der Tal- und Höhengemeinden sind die historischen Kapellen aus den verschiedenen Jahrhunderten, so die Kapelle in Niederbreitbach, die Wallfahrtskapelle in Verscheid, die Kapelle zu Breitscheid und der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Turm der Kath. Pfarrkirche von Waldbreitbach, der als Zeugnis der Baukunst dieser Epoche gilt und heute im Wappen der Gemeinde Waldbreitbach geführt wird.

Die Ordensgemeinschaften

Im späten 17. Jahrhundert wird zwischen Hausen und Waldbreitbach, direkt neben der heutigen Wiedtalstraße, die Kreuzkapelle erbaut. Sie ist der Kreuzverehrung gewidmet und gilt als Ausgangspunkt für die große Ordensgemeinschaft der Waldbreitbach Franziskanerschwestern und der Franziskanerbrüder vom Hl. Kreuz in Hausen, deren segensreiche Tätigkeit die Region Waldbreitbach weit über ihre Grenze hinaus bekannt gemacht hat. Der Orden der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Margaretha Flesch aus Niederbreitbach, genannt Mutter Rosa, gegründet, hat oberhalb von Waldbreitbach sein Mutterhaus, dem ein modernes Bildungshaus angegliedert ist.

Die Marienhaus Unternehmensgruppe Waldbreitbach

Ende 2011 haben die Waldbreitbacher Franziskanerinnen ihre Einrichtungen in die Marienhaus Stiftung überführt. Diese Stiftung, die ihren Sitz in Neuwied hat, hat die Waldbreitbacher Ordensgemeinschaft im Herbst 2011 gegründet. Mit diesem Schritt hat die Gemeinschaft die Weichen für die Zukunft der bisher ordenseigenen Marienhaus GmbH gestellt. - Auch wenn die Waldbreitbacher Franziskanerinnen jetzt die Letztverantwortung für ihre Werke abgeben, so sollen die Einrichtungen auch in Zukunft im Sinne des Ordens und seiner Gründerin, der seligen Mutter Rosa Flesch, weiter gestaltet und entwickelt werden. Die Marienhaus Stiftung in Neuwied ist einer der größten christlichen Träger von sozialen Einrichtungen in Deutschland.  Zum Unternehmen zählen 20 Krankenhäuser (an 32 Standorten), 29 Alten- und Pflegeheime,  5 Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, 9 Hospize, 9 weitere Einrichtungen und 10 Bildungseinrichtungen. Die Einrichtungen liegen in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, insgesamt arbeiten in der Trägerschaft etwa 13.800 Frauen und Männer. In Waldbreitbach auf dem „Klosterberg“ hat die Unternehmensgruppe ihren Sitz. Gleich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mutterhaus der Franziskanerinnen befindet sich das St. Antonius-Krankenhaus, eine anerkannte und moderne psychiatrische Klinik. Außerdem ist die Marienhaus Stiftung Trägerin des Margartha-Flesch-Hauses, eine Kurzzeit und Langzeitpflegeeinrichtung in Hausen (Wied).

(Weitere Infos zur Unternehmensgruppe: www.marienhaus.de)

Das St. Josefshaus in Hausen (Wied)

Ebenfalls in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gründete der Niederbreitbacher Peter Wirth, später Bruder Jakobus genannt, den Orden der Franziskanerbrüder vom Hl. Kreuz in Hausen. Dem Mutterhaus ist ein großes Altenpflegeheim angeschlossen. Außerdem werden hier liebevoll schwerstpflegebedürftige, psychisch oder geistig behinderte Menschen betreut. Der Orden unterhält Filialen mit sozialen Einrichtungen in Ebernach (Mosel), Bad Kreuznach, in den Niederlanden und den USA.

(Weitere Infos: www.sanktjosefshaus.de)

Die Westerwaldklinik

Schließlich befindet sich oberhalb von Hausen die Westerwaldklinik. Die Westerwaldklinik ist ein Rehabilitationszentrum für Neurologie und Neurologische Psychosomatik. Dort werden stationär und ambulant Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems und neurologisch-psychosomatische Krankheitsbilder behandelt. Träger dieser Klinik sind die Landesversicherungsanstalten Speyer, Westfalen und Düsseldorf.

(Weitere Infos: www.westerwaldklinik.de)

Luftbild von der Westerwaldklinik


Die genannten Einrichtungen im Bereich der Verbandsgemeinde Waldbreitbach verfügen zusammen über mehrere Hundert Betten. Über 500 Arbeitsplätze für Voll- und Teilzeitbeschäftigung unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung für den gesamten Verbandsgemeindebereich und den Landkreis Neuwied. Alle Einrichtungen wurden in den letzten Jahren umfassend renoviert, ausgebaut und den heutigen Anforderungen entsprechend ausgestattet bzw. erweitert.

 

Betriebe des Handels, des Gewerbes und der Dienstleistungsbranche

Über 600 Betriebe des Handels, des Gewerbes und der Dienstleistungsbranche sind in der Verbandgemeinde Waldbreitbach angesiedelt. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um kleinere Betriebe; nur wenige Betriebe beschäftigen mehr als 30 Mitarbeiter. Durch die Ausweisung von Gewerbegebietsflächen haben einige Gemeinden ein Angebot zur Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe geschaffen.


Der Fremdenverkehr

Während über Jahrhunderte Landwirtschaft, Handwerk und später auch die ersten Industriebetriebe im Neuwieder Raum den Menschen Arbeit und eher kargen Lohn gaben, erschloss die landwirtschaftliche Schönheit und die Nähe zum Kölner Raum und den Städten des Ruhrgebiets mit den zu Beginn des Jahrhunderts einsetzenden Fremdenverkehrsaktivitäten den Bewohnern des Wiedtales eine weitere Erwerbsmöglichkeit, die über Jahrzehnte, bis zum heutigen Tag, das Erscheinungsbild der Verbandsgemeinde wesentlich prägt. 1968 wurden Niederbreitbach, Hausen (Wied), Waldbreitbach und Roßbach das Prädikat „anerkannter Luftkurort“ vom Land Rheinland-Pfalz verliehen.

Die lufthygienischen und klimatischen Bedingungen werden in den genannten Kurorten in regelmäßigen Abständen überprüft, um die Voraussetzungen für die Beibehaltung des Prädikats nachweisen zu können.


Gute Infrastruktur

Die Verbandsgemeinde bietet ihren Bürgern eine gute Infrastruktur.

So stehen 3 kommunale  und 2 kirchliche Kindergärten, drei Grundschulen und eine Realschule plus, eine Außenstelle der Kreisvolkshochschule mit zahlreichen Weiterbildungsangeboten, ein attraktives Hallen- und Freibad mit Sauna, Whirlpool und Erlebnisbecken sowie eine Vielzahl von Sportanlagen zur Verfügung.

Die vor ca. 30 Jahren gebauten Abwasser-Reinigungsanlagen der ersten Generation wurden durch moderne, leistungsfähige Kläranlagen ersetzt. Eine vergleichsweise noch weitgehend intakte Umwelt, schmucke und überschaubare Dörfer mit einem breiten Angebot an Handwerks-, Gewerbe-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetrieben vor Ort oder in der näheren Umgebung und nicht zuletzt ein reges Vereinsleben tragen dazu bei, dass die Verbandsgemeinde Waldbreitbach ein beliebter und bevorzugter Wohn- und Lebensraum ist.

*) Restauflage noch vorhanden; Auskünfte erteilt die Verbandsgemeindeverwaltung.

Historische Sehenswürdigkeit: Die „Commende“ in Waldbreitbach

 Die „Commende“ ist der ehemalige Sitz des Deutschherren-Ordens, durch den auch die kath. Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ in Waldbreitbach Anfang des 13. Jhd. erbaut wurde. Nach der Generalsanierung im Stil des 1703 errichteten frühbarocken Kernbaus unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange in den Jahren 2009/2010  präsentiert sich die neue „Commende“ im historisches Flair mit neuzeitlichem Kern. Sie dient jetzt als Wohn- und Geschäftshaus.

Commende Waldbreitbach